5.7 Satzunterordnung

Die Satznebenordnung ist die ursprüngliche Ausdrucksweise im Plattdeutschen. Die Satzunterordnung hat sich erst allmählich ausgebildet. Der Umfang der Unterordnung nicht daher in dem Maße ausgedehnt wie im Hochdeutschen und insbesondere in dessen Schriftsprche. Das Plattdeutsche hat, wie es bei überwiegend mündlichen Sprachtraditionen typisch ist, die Neigung sich möglichst einfach auszudrücken und die Sätze gleichwertig aneinanderzureihen. Daher bewegt sich die Unterordnung innerhalb sehr geringer Grenzen, verwickelt gebaute und fest geschlossene Satzgefüge sind im Plattdeutschen nicht üblich. So erklärt es sich, dass auch die Unterordnung oft nur logisch zu erfassen ist und nicht schon rein äußerlich durch eine bestimmte, die Art der Unterordnung kennzeichnende Konjunktion kenntlich gemacht wird.

Ein Beipiel: In dem Satz …

He is so fin, de Katt kennt em nich (dat de Katt em nich kennt)

… wird ohne Konjunktion in dem Nebensatz — wenn man denn ĂĽberhaupt von einem solchen reden will — eine Folge ausgesprochen. In dem Satz …

Weer de Steert en beeten länger west, weer mien Vertelln ok noch en beeten länger west

eine Bedingung. In dem Satz …

Dat is mi ni leed, sä de Voss, as de Jäger em den Steert afschoot, de is mi (weil er mir …) al lang to hitt west“

… ein Grund.

Wenn das Plattdeutsche über diese rein logische Unterordnung hinaus geht, kann man die Entwicklung aus zwei Hauptsätzen zu einem Hauptsatz mit einem untergeordneten Nebensatz meistens noch deutlich erkennen und verfolgen. Die indirekte Rede z.B.:

He vertell mi, dat de König hier vörbikamen wörr

… hieĂź in direkter Rede ursprĂĽnglich:

He vertell mit dat: De König kümmt hier vörbi

Das Wort dat gehörte danach zuerst dem Hauptsatz an und hatte demonstrative Bedeutung. Weil es auf den Inhalt des folgenden Satzes hinwies, wurde es allmählich in den Nebensatz hineingeschoben.

Auch bei den Relativsätzen kann man vielfach ganz ungezwungen das ursprĂĽnglich nebengeordnete Verhältnis wiederhersteilen und die Entwicklung erkennen. Auch hier ist das Relativpronomen ursprĂĽnglich demonstrativ. So wird aus …

Sin Vetter harr en Broder, de hannel mit Peer

… später …

Sin Vetter harr en Broder, de mit Peer hannel

Aus …

Dat is’n slech Schaap, dat kann ni mal sin Wull dreegen

… wird später …

Dat is’n slech Schaap, dat sin Wull ni dreegen kann

Aus …

Dat is Höhnergloben, de Hahn weet dor nix von

… wird …

Dat is Höhnergloben, wo de Hahn nix von weet

In gleicher Weise lässt sich die Unterordnung adverbialer Nebensätze erklären. Man kann auch hier oft das nebengeordnete Verhältnis wiederherstellen. Die Konjunktionen stammen aus dem Hauptsatz und sind erst später in den Nebensatz hineingezogen. Je mehr nebengeordnete Hauptsätze und je einfacher die Form ihrer VerknĂĽpfung, desto ursprĂĽnglicher ( … und manche wĂĽrden sagen desto echter und schöner) ist das Plattdeutsch.

Weitere Beispiele: Der jeweils erste Satz ist der ursprĂĽnglichere, der zweite jeweils mit Nebensatz ausgefĂĽhrt und dichter am Hochdeutschen:

De KrĂĽff is leerig, de Peer slaat sik
Wenn de KrĂĽff leerig is, slaat sik de Peer

Tööf man so lang, de Wagen mutt eerst weg weesen
Du must solang töven, bet de Wagen weg is

Im Hochdeutschen werden die Konjunktionen der untergeordneten Nebensätze oft noch durch „so“ oder „als“ verstärkt. So entstanden Doppelkonjunktionen wie „so dass, so wie, sobald als, solange, wie auch“ u. a. Im Plattdeutschen ist die Entwicklung nicht in diesem Maße vorgeschritten. Darum sind solche Satzgefüge, deren Nebensätze mit derartigen Konjunktionen eingeleitet werden, nicht typisch für das Plattdeutsche. Solche Sätze tragen von vornherein den Stempel hochdeutschen Satzbaues.

(ursprĂĽnglich Abschnitt 105 in Meyers Buch “Unsere Plattdeutsche Muttersprache”)