4.24 Lautmalerei

Die plattdeutsche Sprache ist reich ist an lautnachahmenden Wörtern, die der Lebendigkeit und Anschaulichkeit zugute kommen. So gibt es, besonders in älteren Märchen und Erzählungen, eine ganze Menge von Lautmalerei. Beispiele sind:

  • das Märchen von dem Bauern und den Fröschen, wo der Bauer deren Ach, ach, ach als Zählen und das Haff, haff, haff eines Hundes als Habenwollen versteht (P. V. 8, 11)1
  • das Märchen vom dummen Schäfer, der seine Schafe sucht, wo die Kiebitze Fief witt und die Krähe All swart rufen (ebd. 13)1
  • das Märchen vom Schinder und den Krähen, wo diese Laat liggen! . . . En Braden! . . . achtern Barg! schreien (ebd. 14)1
  • das Märchen vom Fuchs und Fischreiher, wo der Reiher dem Fuchs, der beim Fliegenlernen steil abstĂĽrzt, Schräg’, schräg’! zuruft (ebd. 17)1

Fast alle mit einem Geräusch verbundenen Tätigkeiten und Naturerscheinungen können durch ein lautnachahmendes Wort gekennzeichnet und bis in die feinsten Schattierungen wiedergegeben werden. Die Konsonanten, besonders wr, gn, gl, kn, s und sch werden den Naturgeräuschen angepasst. In den Vokalen wird je nach ihrem helleren oder dunkleren Ton die Klangfarbe der Naturlaute nachgeahmt. Die so gebildeten Ausdrücke tragen dazu bei, die Sprache zu beleben und zu verdeutlichen. Sie verbinden das Innere mit dem Äußeren, den Sinn mit der Form des Wortes und machen es dadurch lebensvoll und anschaulich.

Der Regen …

drisselt, drĂĽppelt, druust, fisselt,
gnibbelt, gĂĽtt hendal, klatscht,
klötert, mieselt, palscht, pisselt, pladdert,
plötert, ruuscht, smoort.

Der Donner …

bullert, dröhnt, gnascht, gneetert,
grummelt, grĂĽnst, gĂĽnst,
knascht, rummelt.

Der Wind …

blaast, brascht, brĂĽllt, fleit,
hullert un bullert, huult, juucht,
knackt, ruust, sĂĽselt, tuut,
weiht holl.

Der Lachende …

gillert, blubbert, gluddert, gniddert,
gniefelt, gniest, gnuffgnieselt,
gnuffgrient, gnuust, huchelt,
kakelt, kullert, kiemlacht,
schrachelt, smuustert un smĂĽĂĽstert.

Der Weinende …

blarrt, bölkt, fliept, garrt, gneegelt,
hulfert, huult, jalpt, jankt, jault,
liert, ningert, ninnert, plinst,
quinkelt, roort, schraalt, siept,
sippelt, snuckert, weetert, wingert.

Der Schwätzer …

blabbert, blubbert, dibbert, dröhnt,
dwellert, dwetert, faselt, flubbert,
fluddert, gmjgelt, haspelt, heevelt,
kakelt, kakelt, klakkert, klönt,
klötert dat dör, kuckelt, plötert,
praatet, prötelt, quarkt, quasselt,
queest un quabbelt, quirkt, rappelt,
röstert, raastert, sappelt, saustert,
sawelt, schraalt, schraastert, schrauelt,
schulfert herut, siwelt, sladdert, sludert,
smusselt, snatert, swabbelt,
swöögt, takelt, tötelt,
tĂĽĂĽnt, tĂĽtert, tweernt.

(ursprĂĽnglich Abschnitt 91 in Meyers Buch “Unsere Plattdeutsche Muttersprache”)


  1. PlattdĂĽtsche Volksböker, Garding 1914 ff., Band 8