4.30 Die Vorsilbe -ver

Die hochdeutsche Vorsilbe er- wird im Plattdeutschen gewöhnlich durch ver- wiedergegeben. Sie wird zur Verstärkung eines Ausdrucks verwendet:

He vermööd dorbi (ermüdet)
vergretzt un vergrillt (erzĂĽrnt und erbost)
sik verjagen (erschrecken)
verköhln (erkälten)
vertraten (vertreten?)
vertöörn (erzürnen, auch verwickeln)
verdrinken
versupen (ertrinken)
verkloren (erklären)
vertelln (erzählen)
verkleien un verstreien (verschĂĽtten)
Dat verlöövt he em (W. 167)1
Sik eerst vermĂĽnnern un vernĂĽchtern (Gr. 3, 56)2
Hest di aver bannig verhoolt (F. 3, 253)3
Hast verlahmt un verklaamt dat Hart (F. 2, 302)4
Half verfroorn keem se an (F. 3, 118)3

(ursprĂĽnglich Abschnitt 97 in Meyers Buch “Unsere Plattdeutsche Muttersprache”)


  1. Wisser, Plattdeutsche Volksmärchen, Jena 1914 
  2. Groth, Gesammelte Werke, Kiel 1893 (Unveränderte Nachdrucke 1898, 1909, 1913, 1918, 1920): Band 3 
  3. Fehrs, Gesammelte Dichtungen in vier Bänden, Hamburg 1913: Band 3 
  4. Fehrs, Gesammelte Dichtungen in vier Bänden, Hamburg 1913: Band 2