5.6 Beiordnung durch folgernde Konjunktionen

Stehen zwei Sätze in folgerndem (konsekutivem) Verhältnis zueinander, dann enthält der eine Satz Ursache, Absicht, Mittel oder Grund und der andere die Folge oder die Folgerung. Diese Beziehungen äußerlich zu kennzeichnen ist im Plattdeutschen untypisch. Haupt- und Nebensatz (!) werden auch hier als gleichberechtigt nebeneinander gestellt und in die Form einer unabhängigen Aussage gebracht:

Dat is’n Leeben in de Masch, ik gah sin Daag nich wedder na de Geest!

He weer verdreetlich, he much sik nich stören laten (Tr., A. 66)1

Aver mööd dörf he nich warrn, he müss vorwärts (F. 4, 85)2

Es darf bezweifelt werden, ob es notwendig ist, diese Beziehungen durch dorĂĽm (“daher”) zu kennzeichnen. Jedenfalls aber muss der Gebrauch von Konjunktionen wie „also, deshalb, deswegen, folglich“ als unnötige Anlehnungen an das Hochdeutsche betrachtet werden:

Beispiel 1:

Dat hett min Grootmoder mi sĂĽlm vertellt, also wohr mutt’t wesen (P. V. 18, 19)3

besser: Dat mutt wohr wesen, dat hett min Grootmoder mi sĂĽlm vertellt

oder: Wohr mutt dat wesen, min Grootmoder hett mi dat sĂĽlm vertellt

Beispiel 2:

Nootlögen sünd över je wull nich verbaden, un dorher wüllt wi seggen, Lieschen Hamersch ehr wieren Nootlögen (Kl.,L. 1,118)4

besser: Lieschen Hamersch Lögen wieren Nootlögen. De sünd je wull nich verbaden

oder: Nootlögen sünd över je wull nich verbaden. Wi wüllt seggen, Lieschen Hamersch ehr wieren Nootlögen

Beispiel 3:

Dor buten keemen de Lüüd vör Höflichkeit gor ni an enanner, deshalb harrn se ok keen Tru noch weniger Globen to een (Gr. 3, 200)5

besser: Dor buten harrn de Lüüd keen Tru noch weniger Globen to een. Se keemen vör Höflichkeit gor ni an enanner

oder: Dor buten keemen de Lüüd vör Höflichkeit gor ni an enanner. Se harrn ok keen Tru noch weniger Globen to een

Beispiel 4:

De slaue Reinke rüük Minschensweet un Aten dör en Spitt Eer hendör, deshalb neem he ok noch en Stück Oort Wurtel innen Mund (Gr. 4, 35)6

besser: De slaue Reinke rüük Minschensweet un Aten dör en Spitt Eer hendör. He neem ok noch en Stück Oort Wurtel innen Mund

Beispiel 5:

De Gang in’t Feld harr mi goot daan, kunn ik marken, un daher bleev ik bi (F. 3, 254)7

besser: Ik bleev bi. Ik kunn marken, de Gang in’t Feld harr mi goot daan

oder: De Gang in’t Feld harr mi goot daan, kunn ik marken, un ik bleev bi

Beispiel 6:

Se mĂĽss sik eerst en beeten besinnen, dorĂĽm gĂĽng se na ehr Kamer (F. 4, 32)2

besser: Se mĂĽss sik eerst en beeten besinnen un gĂĽng na ehr Kamer

oder: Se gĂĽng na ehr Kamer, ee mĂĽss sik eerst en beeten besinnen

(ursprĂĽnglich Abschnitt 104 in Meyers Buch “Unsere Plattdeutsche Muttersprache”)


  1. Paul Trede, Abel, Garding 1880 
  2. Fehrs, Gesammelte Dichtungen in vier Bänden, Hamburg 1913: Band 4 
  3. PlattdĂĽtsche Volksböker, Garding 1914 ff. 
  4. Kloth, De Landrathsdochder, Garding 1885 
  5. Groth, Gesammelte Werke, Kiel 1893 (Unveränderte Nachdrucke 1898, 1909, 1913, 1918, 1920): Band 3 
  6. Groth, Gesammelte Werke, Kiel 1893 (Unveränderte Nachdrucke 1898, 1909, 1913, 1918, 1920): Band 4 
  7. Fehrs, Gesammelte Dichtungen in vier Bänden, Hamburg 1913: Band 3